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Wir brauchen dringend Schiedsrichterinnen

Noemi Topf aus Pfaffenweiler (Bezirk Schwarzwald) hat es mittlerweile als SR-Assistentin in die 2. Bundesliga der Frauen geschafft. Der Öffentlichkeitsmitarbeiter des Verbandsschiedsrichterausschusses, Steffen Fante, sprach mit ihr über die aktuelle Frauenmisere bei den Schiedsrichterinnen.
Hallo Noemi,
im Januar 2018 starten ja wieder unsere Neulings-Lehrgänge. Seit wann bist du Schiedsrichterin und wie kamst du drauf?
Seit Februar 2010...eigentlich durch Zufall über einen befreundeten Trainer, der erzählte, dass SR "Mangelware" seien. Zu dieser Zeit war ich noch zu jung um bei den Damen spielen zu dürfen und da wir keine B- Juniorinnen- Mannschaft hatten, kam es mir gerade recht, mich wieder mehr dem Fußball widmen zu können.

In welchen Spielklassen bist Du momentan unterwegs?
Bei den Herren in der Verbandsliga und assistiere in der Oberliga. Bei den Frauen pfeife ich Regionalliga und bin Assistentin in der 2. Frauenbundesliga.

Wie genau läuft die Ausbildung zum Schiedsrichter ab?
In verschiedenen Einheiten an mehreren aufeinanderfolgenden Wochenenden lernen die Neulinge Stück für Stück das Regelwerk, welches von den Lehrwarten beigebracht wird. Dabei wird der Inhalt vervollständigt durch weitere Anweisungen aus dem Verband oder z.B. Vorgaben, welche Laufwege ein SR auf dem Platz am besten wählt.
Fußball ist ja immer noch eine Männerdomäne. Gibt es viele Schiedsrichterinnen im Bereich des SBFV?
Leider viel zu wenige! im gesamten Verband sind es gerade mal um die 30, was echt schade ist. Wahrscheinlich fehlt vielen Mädchen und Frauen ein direkter Bezug zur Schiedsrichterei, ohne den sie sich gar nicht mit dem Gedanken befassen, welche Vorteile und welchen Spaß dieses Hobby mit sich bringt.

Wer ist zuständig für die Schiedsrichterinnen im Bereich des SBFV?
Unsere Ansprechpartnerin ist Gabriele Birlin, die selbst sehr lange aktiv war und es bis in die höchsten Klassen geschafft hat.

Wie verhalten sich männliche Kollegen dir gegenüber?
Sehr kameradschaftlich! Ich werde überhaupt nicht als "Fremdkörper" oder so behandelt und deshalb nimmt auch keiner Rücksicht, wenn mal ein derber Witz erzählt wird. Das finde ich aber auch super, weil ich nichts Besonderes sein will, sondern die Tatsache im Vordergrund steht, dass wir alle dieselbe Leidenschaft teilen.

Und wie ist es mit den Spielern? Denkst du es gibt einen Unterschied im Verhalten gegenüber dir und einem männlichen Schiedsrichter?
Ja, das denke ich schon, allerdings denke ich, dass ich da meistens sogar einen Vorteil habe. Zum einen ist nämlich die Hemmschwelle höher, einer Frau was an den Kopf zu knallen, als einem Mann; und zum anderen erwarten viele, dass eine Frau nicht so gut pfeifen kann wie ein Mann und sind dann positiv überrascht, wenn die Frau ihnen das Gegenteil beweist.

Was war dein schönstes Erlebnis als Schiedsrichterin?
Abseits des Platzes war es meine Ehrung bei "Danke Schiri" im Frühjahr diesen Jahres, als ich nach Leipzig eingeladen wurde und neben dem Bundesligaspiel gegen München, einen großartigen Galaabend erleben durfte. Auf dem Platz war mein schönstes Erlebnis, als meine Assistenten und ich beim Verlassen des Platzes Standing Ovations bekamen von den Zuschauern.

Vielen Dank für das Interview.
Steffen Fante Schriftführer VSA
Foto oben Südbad. Fußballverband
Mitte Koch/Südkurier

Unsere Neulings-Lehrgänge finden im Januar 2018 statt. Weitere Infos: http://sbfv.de/nachricht/schiedsrichter-neulingslehrg%C3%A4nge-anfang-2018-ganz-s%C3%BCdbaden